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Die Hünenburg ist eine Wallburg


an der Lenne bei Ohle in Plettenberg, Nordrhein-Westfalen.
Sie befindet sich auf der Kuppe des Sundern in 375 m ü. NN Höhe. Ihre Entstehung als Fliehburg wird auf die Zeit der Karolinger vermutet. Die Wälle umschließen eine etwa 7 Hektar große Fläche. Darin befindet sich eine viereckige Steinburg mit den Maßen 35 mal 50 Meter. Die Mauern hatten eine Breite von etwa 2,5 Meter, und eine Höhe von vermutlich etwa 3 Meter. Manfred Sönnecken vermutete keltische Ursprünge in der La-Tène-Zeit.

 



Forscher sehen in der Burg auf dem Sundern eine Keimzelle der Ohler Dorfentwicklung


Auf Grund der Größe (ca. 7 ha)
schließt man auf eine verhältnismäßig starke Bevölkerung im Raum Teindeln - Eiringhausen - Plettenberg.
Mit beachtlichem Kraftaufwand haben sich die Wehrbauern diese Schutzburg auf dem Sundern errichtet.
Manfred Sönnecken sagt, dass die Hünenburg-Anlage auf den Resten einer vermutlich ins Spätlatene (5. - 1. Jh. v. Chr.) zu datierende Befestigung zurückgeht und durch die Franken wieder
neu aufgebaut wurde (9. - 10. Jh.) als eine gewaltige Anlage,
die wohl die bedeutendste Soldatenburg im ganzen westlichen Gebirgsraum war.
Es wird in der Geschichte von einer "sächsischen Landnahme" gesprochen. Begründet wird diese These durch das Vordringen der s.g. "Inghausenleute". Orte mit der Endung ...inghausen weisen auf diesen "sächsisch-westfälischen" Vorstoß hin. Die Zeitspanne reicht vom 6. - 10. Jh. Allerdings liegt eine Diskrepanz in der Auslegung einer "sächsischen Landnahme" zu der Theorie einer fränkischen Anlage.
Die beiden Adelssitze Brüninghausen und Grimminghausen sind die einzigen Namen im Kirchspiel Ohle, die auf ...inghausen enden.

Brüninghausen wird 1311 zum ersten Mal erwähnt als "bona Brunnenchusen".
 


 

Die von Ole werden bereits 1193 genannt.


Peter Dietrich Frommann - "ein verdienter Forscher des mittleren Lennegebietes" (lt. E. Dössler in "Der Märker" Jg. 10/1) nimmt an, dass die Herren von Ole zuerst als Burgvögte auf einer curtis neben der Ohler Kapelle als Burgkapelle saßen. D.h., dass man um die Pfarrkirche in Ohle eine
"curia curtis"
suchen müsste.
Die Nutzung der wieder errichteten Burg diente wohl in erste Linie zur Sicherung in Notzeiten. Es ist anzunehmen, dass die Burg auch zu Gerichtssitzungen und kultischen Anlässen aufgesucht wurde. Im Allgemeinen wird allerdings berichtet, dass derartige Treffen in besonderen Hainen oder unter geweihten Bäumen stattfand. Die Flurbezeichnung Heilige Eiche am Fuße des Hembergs könnte aus dieser Siedlungszeit stammen.
Die Nutzfläche der Wehrbauern bestand aus kleineren Feldfluren, Wiesen und auch eichenreichen Auwäldern. Letztere spielten in der viehbetonten Wirtschaftsweise eine große Rolle.
 



Starke Brandspuren an den Resten der Pfostenschlitzmauern
zeugen von einem harten Kampf der Burgherren gegen ihre Eroberer. Der Wiederaufbau muss kurz nach dem Besitzwechsel erfolgt sein.
Es ist anzunehmen, dass diese Burg eine Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und Franken gespielt hat.
Nach der endgültigen Unterwerfung und Befriedung des Sachsenlandes hat die Burg der Bevölkerung Schutz in drohender Not gegeben. Besonders in der Notzeit der Ungarn- und Normanneneinfälle (9. - 10. Jh.) ist die Sundernburg auch durch den Burgenbauerlass Heinrich I. im verteidigungsmäßigen Zustand erhalten und auch genutzt worden.
Quellen: E. Dössler in "Der Märker" Jg. 10, Heft 1 S. 1-4; Manfred Sönnecken in "Heimatchronik Kreis Lüdenscheid." Albrecht von Schwartzen in "Plettenberg, Industriestadt im märkischen Sauerland" 1992.
 


 

Die von Prof. Stieren ausgegrabenen Mauern
 

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Überlieferungen von der alten Siedlung „Burg « den jüngsten Funden

„Burg" bei Ohle "
Vor zweihundert Jahren wohnten hier noch zwei Bauernfamilien

Erzählungen aus früherer Zeit

Vor ein paar Wochen las man im Süderländer Tageblatt' über wertvolle Funde auf dem Baugelände „Burg". Beim Ausschachten war in einer Baugrube ein wohlerhaltener Brunnen gefunden worden und ein paar Meter davon entfernt eine Grube, die vielleicht einmal eine Feuerstelle' war. Auch Scherben eines Topfes und Eisenschlacke fand man dort. Diese Funde bestätigen somit, dass vor vielen Jahren einmal auf der Terrasse des Sundern eine Siedlung gestanden hat. Bei P. D. Frommann, dem verdienten Heimatforscher, lesen wir, dass vor 200 Jahren noch zwei Familien auf der Burg wohnten, nämlich die Familien Schulte und Voßloh. Bisher hat man allerdings noch nicht feststellen können, wo die Wohnstätten gestanden haben. Kein Archiv, auch nicht die Katasterkarte aus dem Jahre 1830, die uns von Ohle, Selscheid, Teindeln berichtet, gibt uns hierüber Auskunft. Vielleicht wird dieses Geheimnis gelöst, wenn demnächst die Bagger "und Raupen die Grasnarbe hinwegräumen, wenn das Gelände für den zweiten Bauabschnitt vorbereitet wird. Pastor A. Daniel, der vor hundert Jahren in Werdohl amtierte, schreibt in seinem Buch „Sagen und Geschichten von der mittleren Lenne, Gefundenes und Gesuchtes" auch manches Altüberlieferte über Ohle und die „Hünenburg" auf dem Sundern. Man geht sicherlich nicht fehl in der Annahme, dass auch diese „Hünenburg" auf dem Sundern bei Ohle — wie die anderen Wallburgen — in den ältesten Zeiten die Feste eines sächsischen Edlen gewesen ist. Und wie der Augenschein lehrt, wie die vielen im Berge verstreuten Mauerreste beweisen, haben die Burgleute, die Leibeigenen des Ritters, die in Kriegszeiten bei ihm mit Weib und Kind eine schützende Unterkunft fanden oder ihn auf seinen Raub- und Feldzügen begleiteten und im Frieden für ihn den Acker bauen mussten, in der Nähe der Wallburg ihre Wohnungen gehabt.
 



Samstag, den 19 Dezember 1964 / Nummer 295 (3. Blatt) 85. Jahrgang

Eine heimatkundliche Beigabe zum Süderländer Tageblatt


Es ist ein kleines Dörflein gewesen, das auf der Höhe des Sundern.

Eine andere Tradition bestätigt das auch, indem sie erzählt, dass in alten Zeiten drunten im Tal, wo jetzt das schmucke Dorf Ohle liegt, kein Haus und kein Acker sich befunden, sondern bloß die Lenne als breiter Strom ihre mächtigen Fluten gewälzt habe. Und wenn man die deutlichen Spuren ehemaliger Wasserläufe im Ohler Tal und die überall dicht unter der Humusschicht liegenden Einbettungen von Flußkies erblickt, so ist man wohl geneigt, dieser Überlieferung Glauben zu schenken. Von der alten Burg aber geht manche Sage. Eine der ältesten erzählt die Geschichte ihres Falles. In einer anderen. Sage erzählt uns Pastor Daniel „ Von dem Gespenst auf der Hünenburg". Aber auch von dem Brunnenhahn, dem „han op diam hunenhus", berichtet er uns. Und von dem furchtlosen Dorfhund in Ohle, der noch vor hundert Jahren im Tale die Polizeigewalt ausübte, alles das lesen wir bei Daniel, dem Pastor von Werdohl. Freilich, als um diese Zeit die Eisenbahn durch das Lennetal gebaut wurde, da verließen viele von dem fauchenden Damp frisch aufgescheuchten Geister und Gespenster 4 ihnen bis dahin so gastliche Lennetal, und zogen sich in die umliegenden Berge zurück. Man darf allerdings annehmen, dass jetzt auf dem Baugelände Burg auch die letzten Geister u: Gespenster durch das Rattern der Baumaschinen vertrieben werden und sich irgendwo in Schluchten der Höhen Molmert eine neue Zuflucht gesucht haben. Die moderne Technik ist der Feind all der unsichtbaren Geister. Die heuen Siedler werden somit beruhigt schlafen können, ist es doch fast zweihundert Jahre her, dass dort etwas Grusliges passierte. Damals amtierte in Ohle der Pastor Johann Hengstenberg. Er kam in stock dunkler Nacht, so um die Geisterstunde, von einer Hochzeitsfeier im Ohler Gebirge, Als nun den Fußpfad über die Burg hinab sehr ins, Lennetal, ertönte auf einmal aus dem Dunckeln des Waldes eine Stimme: „Wer bist du,"? Fast Hengstenberg rief schlagfertig zurück: „Ein So! des Lichtes"! Darauf antwortete der geheimnisvolle Rufer: „Warum wandelst du denn in der Finsternis"? Über die Bewohner der neuen Siedlung Burg wird der Brunnenhahn der Hünenburg von seinem Versteck aus seine schützenden Fittiche breiten — über jung und alt und selbst über die, die nicht an ihn glauben . . .
Ewald Baberg
 


 

Der Blick vom Sundern ins Lennetal.
von der Burg konnte man die bösen Buben früh genug sehen.

 



Der Ursprung des Dorfes Ohle liegt ab ca. 800 n.Chr.  auf dem Sundern
.
Auf dem Foto sind die Ausmaße der ca. 7 ha grossen Wallanlage gut zu erkennen.

Vom Elhauser Bach bis zum Königssiepen reichte das Schutzgebiet der Burg. In dieser Begrenzung bauten Soldaten auf dem Grund der heutigen "Siedlung Burg" ihre Nahrung an, da sie auch ihre mitgebrachten Familien ernähren mussten. Es entstand erste Feld und Viehwirtschaft auf dem Sundern.  Auch die Wohnungen der Fränkischen Soldaten lagen allesamt rund um die Burganlage.
So um das Jahr 1000 n.Chr., als es erstmal keine Kriege mehr gab, siedelte man unten im Tal und gründete das Dorf Ohle.

 




So sieht es heute auf dem Sundern aus.

Leider zerstören die Wurzeln der Bäume die Anlage nach und nach, obwohl die Anlage als Bodendenkmal geschützt ist. Und niemand unternimmt etwas dagegen



 

So wurden aus den Nachkommen der fränkischen Kriegsmänner mit der Zeit Ohler Bauern
Am Ende des Mittelalters ( um 15oo) befanden sich im Dorf Ohle 15 bäuerliche Siedlungen.

Es gab in dieser Gegend nur ganz bescheidene Höfe und Weiler. Der 375 m hohe Sundern mit seinen steilen Abhängen eignete sich sehr für diese Burganlage, die ohne die Ringbauten mit 50 x 4o m Innenraum, schon eine Befestigung darstellte. Die größte Befestigung dieser Zeit war z.Zt. Carl des Gräfin von den Sachsen erbaute Syburg bei Hagen. Außer der Fliehburg bei Ohle gab es dieselben bei Meschede, Menden, Woklum und Meilen. Es waren wohl für das Heer der Sachsen Bereitstellungsräume. In den Kämpfen der Sachsen gegen die Franken, wo auch die Syburg von den Franken erobert wurde, fiel auch die Hünenburg auf dem Sundern bei Ohle. In der Folgezeit
77o - 800 n.Chr. wurde von den Franken diese Burg besetzt. 2oo Jahre später, als die Zeiten ruhiger geworden waren, zog diese Burgbesatzung ins Tal und errichtete dort, auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes, einen Curtis oder Königshof
 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Die W a l l b u r g auf dem Sundern in Ohle

Stadtarchiv Plettenberg i.A. Martin Zimmer

Der westlich von Ohle gelegene 'Sundern' ( 375 m)- ein Berggipfel zwischen 'Königssiepen' , 'Jeutmeckebach' und Lenne, bot mit seinem auf drei Seiten gegebenen Steilabfall von 45 bis 80 Grad gute Voraussetzungen für den Wallring, der mit einer Gesamtfläche von 7 ha ( = 7o ooo qm) eine der größten f rühge Schicht liehen, Anlagen seiner Art im heutigen Märkischen Kreis ist.

"SUNDERN" bedeutet nicht Eigenname eines Berges,
sondern ein ein ausgesondertes Gebiet', einstmals dem 'Burgvogt vorbehalten und 'Freiland' (vgl. Sundern, Sündern = mehr .Ortsnamen, Flurnamen im Sauerland. Das Territorium war stets begrenzt v.  '
Königsiepen /-bach - s. Siedlung 'Burg'

Plettenberg -Ohle . Wallburq für Fliehburg) auf. dem Sundern. Grundriss umgezeichnet nach Germania 37,
1959 ,S.314 Abb.2 (Westfäl.Museum f.Archäologie/Amt .Bodendenkmalpflege ,Münster
Vom wallumgebenen
Zentrum auf der Bergkuppe verläuft ein 260 m langer Wallstrang nach Osten. Ca. 80 m vor seinem Auslauf in den Steilhang hat er in seinem südörtlichen Teil den einzigen Zugang im Zuge des von Ohle heraufkommenden Weges. Der vom Kernwerk aus nordwärts gerichtete Strang in Gestalt einer streckenweise £ doppelläufigen Terrassenkante beschreibt im abfallenden Gelände auf einer Länge von 31 o m einen von Norden nach Osten umbiegenden. ebenfalls im östlichen Steilhang endenden Bogen. Im Innenraum legen_ sich mehrere hintereinander angeordnete Terrassen vor die Öffnung der durch die beiden Stränge dargestellten Zange«
Mit einer Größe von 5o:35 m ist das Kernwerk der Bergkuppe als verhältnismäßig klein zu bezeichnen.
Die wichtigste Entdeckung bzw. das wichtigste Ergebnis der Grabungen von 1953-1955/ Prof. August Stieren, Münster) ist der Nachweis von zwei verschiedenen Befestigungsperioden im Wall, denen zwei verschiedene .Zustände im Torbereich entsprechen.
Als Teil der jüngeren Bauperiode wurde eine in der Stärke zwischen 1.3o m und 2.2o m variierende Mörtelmauer in Schalenbauweise festgestellt. - Die Rückfront der Mauer ist unterschiedlich beschaffen und hängt v.d. Verhältnis zur älteren Mauer ab, der die neue Mauer bald, vor - bald überlagert war. - Bald wird die innere Mauerschale durch Hinterschalung ersetzt,, bald erübrigt sie sich durch Verfüllung der Zwischenräume durch alte und neue Mauerteile.
Bei den Mauerresten der älteren Bauperiode liegt eine Übergangsform vom Holz- zum Steinbau vor. Im südöstlichen Teil des Ringwalles ist das Innere der aus Front- und Ankerpfosten gebildete Holzkonstruktion ("Kasten") mit umsichtig geschichtetem, bis zu 2 m starkem Trockenmauerwerk verfüllt, während im übrigen Teil des Wallkörpers der ältere Zustand durch die Anlagen der jüngeren Bauphase verwischt ist.
Brandspuren und Verfärbungen deuten auch hier auf eine Pfostenkonstruktion hin.
Das Tor (zur 'Wallburg) liegt 60 m unterhalb des Kernwerkes» In seiner älteren Phase unterbrach es in einer Breite von 5.5o m bis 5.80 m den Wall. Es hatte die Form eines Kastentores, d.h. seine Tiefe entsprach der Breite des Wallkörpers bzw. der Trockenmauer.
Im Abstand von 2.60 m markierten je zwei Pfosten am dem äußeren Ecken der Trockenmauer den Kastengrundriss. Durch einen in der Mitte zwischen den beiden Stützpfosten situierten Mittelpfosten entstand ein zweiflügliges Tor (s.Foto ganz oben), das Brandspuren zufolge durch Feuer zerstört wurde.
Das an gleicher Stelle errichtete T o r der jüngeren Bauperiode bezog die Torwangen der älteren Trockenmauer in die Flucht der vorgesetzten Mörtelmauer des Neutores ein und bildete zusammen mit dem älteren Torra um eine 5-6 m tiefe und 5 m breite Gasse, in die die Mörtelmauerenden trichterförmig einbogen. Von den sieben Pfosten des neuen Kastentores waren je drei als Außen - ,Mittel- und Innenpfosten längs den Torwagen postiert; der in der Mitte zwischen "beiden Mittelpfosten stehende siebente Pfosten teilte das somit ebenfalls zweiflügelige Tor in zwei Fahrhälften.
( Ein Modell des Burgtores v. 'Sundern b. Ohle steht im Kreisheimatmuseum der Burg Altena.

Nur im südlichen Teil der Gesamtanlage, im Abstand v. 6 m von. der Mörtelmauer, wurde ein etwa 3.60 m breiter und 1.6o m tiefer Spitzgraben geschnitten. Weil sich im Füllmaterial des Grabens Brandspuren fanden, dürfte er bereits als Pendant zur älteren Mauer, von dem er im: Abstand v. 9 m verläuft, vorhanden gewesen sein,
Im Kernwerk stieß man bei einem Schnitt durch den Ostteil des Steinwalles auf eine 1.5o m starke, noch bis zu 13o m Höhe erhaltene Mörtelmauer In der Nordwestecke wurde eine aus dem Fels ausgeschrotete Grube mit einem Durchmesser v. 8 m ergraben, die als Rest ein später eingebauten Wehranlage zu betrachten ist.
Neben Scherben rheinischer Importkeramik Mayener und Badorfer Machart, deren bemaIte Stücke noch in die Hälfte oder gar noch in die Mitte des 9« Jh. zu datieren sind (nach Ph.R. Hömberg) fanden sich Scherben (u.a. Siegburger Steinzeug), die für eine hochmittelalterliche Herkunft des vorerwähnten Einbaus sprechen.
Nach einer örtlichen Überlieferung hatte sich im 16.Jh. eine Familie N ö l k e n im Burgbereich auf dem Sundern angesiedelt, der nach ihr auch "NÖLKENBURG
" genannt wurde.
Literatur/Quellen
Gensen,Rolf: Die Torgrabung auf dem Sundern bei Plettenberg-Ohle (Manuskr.), Archiv des Altertums-Mus.Komm, Münster- 1955
Sönnecken» M.:Neue Funde u.Grabungsergebnisse. Karolingische Bunpmetallverarbeitung a.f.Sundernburg. In: Der Märker 1956/5/;
Hömberg, Ph.R.: Untersuchungen an frühgeschichtlichen Anlagen
(XWallanlagen) Westfalens. Dissertation Univ.Münster 1972, Buchausg. 198o

Plettenberg, den 17. Sept. 1987
gez. Martin Zimmer
 



Über die Geschichte der Ohler Hünenburg

Studienrat Soennecken sprach über seine Spatenforschungen in der Burganlage
 

Plettenberg- Ohle. Welches Interesse die Ohler ihrer „Burg" entgegenbringen, bewies der Besuch des Vertrages über die Ausgrabungen auf dem Gebiet der Burg, den Studienrat Manfred Soennecken im Vorführraum der Gemeinschaftsschule hielt. Hauptlehrer Lipki als Hausherr konnte erfreut eine große Anzahl von Gästen, vor allem aber den Referenten des Abends, willkommen heißen.

Studienrat Soennecken begann seinen Vortrag mit einem Ausflug in jene Geschichte, die älter ist, als die Burganlage auf dem Sundern, denn die Funde bei der Ausschachtung des jetzigen Baugeländes beweisen, dass diese Berglehne schon ein. bevorzugter Lagerplatz der Jäger und Sammlervölker der mittleren Steinzeit gewesen sein muss. Anhand von Spitzen und Schabern aus dieser 5000 Jahre zurückliegenden Zeit ist das zu beweisen. Da sich unter anderem auch ein Beil der Jungsteinzeit auf dem Gelände fand, darf geschlossen werden, dass es sich hier auch schon um einen Siedlungsplatz dieser Geschichtsperiode gehandelt haben kann.
Anhand weiterer Dias ging dann der Referent auf das eigentliche Thema dieses Abends ein. Er hob zunächst hervor, dass die neuen Bewohner der Burg auf dem wohl ältesten Siedlungsplatz der weiteren Heimat wohnen, denn die Funde aus der Steinzeit bewiesen dies eindeutig. Ohne Zweifel sei aber in geschichtlicher Zeit diese Berglehne und der daran anschließende Sundern auch eines der ältesten Bebauungsgebiete gewesen. Zusammen mit Prof. Stieren und anderen Studenten hat der damalige Student Manfred Soennecken an den Ausgrabungen teilgenommen, in denen man Klarheit über den Ursprung der Ringwallanlage auf dem Sundern gewinnen wollte.

Schwierige Spatenforschung
Der Referent ging zunächst auf die Schwierigkeiten der Spatenforschung ein, der im hiesigen Gebiet nur wenige Funde aus Kulturschichten zur Verfügung stünden; was eine Datierung des wirklichen Alters sehr erschwere. Anhand von Dias erlebten die Zuschauer nun noch einmal, wie man dem äußeren Ring mit dem Spaten zuleibe rückte, wie man überhaupt den Wallverlauf feststellte und zu dem erstaunlichen Ergebnis kam, dass die Wallanlage ein Gebiet von sieben Hektar umfasste. Die Burg muss also eine Verteidigungsanlage von beachtlichem Ausmaß gewesen sein. Zu ihrer Verteidigung war eine große Anzahl von Männern notwendig.

Burg ist 1200 Jahre alt
Die Grabungen förderten eine mit Lehm verbaute Pfostensteinmauer zutage, von der selbst Fachleute wie Professor Stieren annahmen, dass es eine keltische Mauer sei. Demnach setzte man in der ersten Ausgrabungsphase das Alter der Burg auf fast 2000 Jahre an. Erst bei der zweiten Ausgrabung auf dem Gipfel des Sundern entdeckte man Scherben in der Urschicht, die aus der Periode der sächsisch-fränkischen Kriege stammten. Das Alter der Burg war demnach auf etwa 1200 Jahre anzusetzen. Inzwischen haben Vergleiche mit ähnlichen Wallburganlagen erwiesen, dass diese letzte Datierung richtig ist.
Die Anlage auf dem Letmather Burgberg ist, was die Anlage der Pfostensteinmauer betrifft, der Ohler sehr ähnlich. Sorgfällige Fotos von dem Eingang zur Burg, unmittelbar neben der damals rekonstruierten Anlage bewiesen noch ein Zweites. Es hat zwei Burganlagen gegeben. Eine ältere mit der erwähnten Pfostensteinmauer und eine neue Anlage davor, deren Mauer bereits mit Mörtel errichtet wurde. Klar wird auch, dass die innere Anlage, ein Geviert genau auf dem Sunderngipfel zu der jüngeren Anlage zählt, denn sie wurde aus den Steinen der älteren Wallanlage errichtet. Deutlich nimmt nämlich die ältere Mauer nach oben zum Berggipfel an Mächtigkeit und Stärke ab. Die Erbauer der jüngeren Burg bedienten .sich der hier in großer Anzahl vorhandenen Steine.

Burganlage mit Häusern?
Interessant war es nun zu hören, wie die Spatenforscher, aus Münster das Alter der neuen Burganlage feststellten. Die neue Mauer berücksichtigt bei ihrer Verbauung die Pfosten der alten Pfostensteinmauer. Die Pfosten müssen also damals noch vorhanden gewesen sein, als die neue Anlage entstand. Da aber das Lebensalter selbst der stärksten Pfosten allenfalls mit 3O bis 50 Jahren anzusetzen ist, kann die neue Anlage höchstens in einem Zeitraum, der um diese Jahrzehnte später liegt, errichtet worden sein. Die Frage, ob nun die viereckige Anlag auf dem Berggipfel eine Burganlage mit Häusern im Innenhof gewesen sei, war von der Spatenforschung her nicht zu klären. Es sei Sache der Historiker, herauszufinden. ob diese Burg etwa der Stammsitz des Geschlechtes derer von Ohle gewesen sei, erwähnte Studienrat Sönnneken. Möglicherweise habe auch auf einer nach Elhausen sich erstreckenden Bergnase eine kleine separate Befestigungsanlage gestanden, über die man jedoch Exaktes überhaupt nicht aussagen könne.

Auf die Ausgrabungsfunde
bei der Ausschachtung des Neubaugeländes eingehend, bemerkte der Referent, dass es sich hier um jüngere Ansiedlung handeln könne. Immerhin sei einer der aufgefundenen Brunnen wohl im '14. Jahrhundert schon zugeschüttet worden. Der andere Brunnen sei als Trockenmaueranlage gut erhalten gewesen und wohl ein Beweis dafür, dass in diesem Gelände im Mittelalter ein Bauernhof gestanden habe. Dieses Gelände habe außerdem Schlackenfunde zutage gefördert, die zu den ältesten des ganzen Gebietes gehören.
Wesentlich ältere Funde gelangen dem Referenten nach seinen Angaben' in unmittelbarer Nähe der Ohler Kirche. Diese Funde seien ihrem Aller nach in das 9. Jahrhundert zu datieren. Die Annahme, dass das Lennetal zu dieser Zeit wegen seiner Unpassierbarkeit nicht besiedelt gewesen sei, ist demnach wohl nicht zu halten. Es lässt sich somit für den Ort Ohle im Tal ein weit früheres als ursprünglich angenommenes Alter annehmen. Der Referent schloss nicht ans, dass auf einigen hochwassersicheren werftähnlichen Erhöhungen schon in sehr früher Zeit Bauernhöfe gestanden haben können.
Ewald Baberg schloss noch einige Betrachtungen humorvoller Art über die eigentlichen Ausgrabungen Professor Stierens an, der bei dieser Gelegenheit ja auch noch mit .dem Verfasser der ersten Geschichte der Burg, Fromann zusammengetroffen ist.
Hauptlehrer Lipki dankte nach einer, kurzen Diskussion der Anwesenden mit dem Referenten Studienrat Soennecken für seinen hochinteressanten Vortrag, der einiges Licht in das Dunkel um die Geschichte der Burg und des Dorfes gebracht habe.

 



Erzbischof von Köln kauft im Jahr 1307 Burg und Haupthof Ole
Friedrich W. Schulte

Das bisher nicht beachtete, in Köln am 15. Dezember 1307 ausgefertigte Dokument dürfte die älteste bekannte Urkunde über Ohle sein. Sie ist in lateinischer Sprache auf Pergament geschrieben und wird im Historischen Archiv der Stadt Köln aufbewahrt. Die Urkunde erlaubt wichtige Rückschlüsse auf den Ursprung des Ortes.
Der Edelherr Konrad von Rüdenberg und sein Erstgeborener Gottfried und dessen Kinder verkaufen dem Erzbischof Heinrich von Köln ihr Eigentumsrecht an der Burg und am Haupthof Öle („in castello et curte dictis Öle", Ende 3./Anfang 4. Zeile der Urkunde). Der Kaufpreis beträgt 100 Mark. Der Urkundentext verdeutlicht, mit welcher rechtlichen Präzision bereits vor 700 Jahren die erzbischöfliche Kanzlei solche Verträge abfasste: mit Burg und Haupthof sollten nämlich auf den neuen Eigentümer übergehen „alle Besitzungen wie Wiesen, Weideland, fließende und ruhende Gewässer, Fischteiche, Haine, Waldgebirge, bebaute und unbebaute Äcker oder sollten sie aus anderen Gegenständen, Besitznahmen und Besitz bestehen". Ein Jurist heute könnte den Vertragsgegenstand nicht genauer beschreiben! Die Urkunde verweist auf Wilhelm von Öle, der den Besitz bis zu seinem Tode von den Rüdenbergs zu Lehen hatte. Daher ein kurzer Blick auf das Geschlecht von Öle. Wie ab dem 12. Jahrhundert üblich hatte die Familie ihre Vornamen mit einer Angabe über ihre Herkunft ergänzt.
Ohle älter als 800 Jahre
Schon 100 Jahre früher, nämlich in einer Urkunde des Klosters Oelinghausen aus dem Jahre 1212, wird ein Wilhelm von Öle als Zeuge genannt. Da zu jener Zeit nur namhafte Personen als Zeugen tätig waren, belegt dies, dass bereits 1212 der Oler Grundbesitz und die Familie von Öle bedeutend waren. Der Ursprung des heutigen Ortes Ohle dürfte daher mehr als 800 Jahre zurückliegen.
Interessant ist die Urkunde auch vor dem machtpolitischen Hintergrund: Die ehrgeizigen Erzbischöfe von Köln hatten 1180 das Herzogtum Westfalen erhalten und versuchten, ein Herrschaftsgebiet zwischen Rhein und Weser aufzubauen. Ihre größten Widersacher hierbei waren die Grafen von der Mark, die ab Mitte des 13. Jahrhunderts ein eigenes unabhängiges Territorium aufbauen wollten. Im südlichen Grenzraum ihrer Grafschaft - etwa entlang der Linie Neuenrade/ Balve, Plettenberg/Attendorn und Meinerzhagen /Drolshagen  rangen beide Parteien um jede einzelne Besitzung. Die Grafen hatten zunächst den kurkölnischen Burgen Waldenburg und Schnellenberg, der Stadt Attendorn und der Vorherrschaft im Dorf Plettenberg wenig entgegenzusetzen. Ihre erste bedeutende Gegenmaßnahme war der Bau der Burg Schwarzenberg im Jahr 1301. Der Kauf von Burg und Haupthof Ole durch den Erzbischof im Jahr 1307 bedeutete für die Grafen von der Mark einen Rückschlag, für den Kölner Erzbischof jedoch einen Teilerfolg bei der Absicherung ihrer eigenen Herrschaftsgebiete.


 

 

 

Stadtarchiv Plettenberg
Thema: Sagen und Legenden / Plettenberg - Ohle

- Der Brunnenhahn auf der Hünenburg ( Kurzfassung )

Innerhalb der germanischen Wall- und Fliehburg auf dem Sundern bei Ohle befand sich auch ein tiefer Brunnen. Auf diesem Brunnen soll früher ein großer, schwerer Stein gelegen haben, auf den ein wilder Hahn eingemeißelt war. Von Zeit zu Zeit löste .sich dieser aus seiner•Erstarrung und wurde lebendig. Selbstverständlich erschien er dann nicht in seiner natürlichen Kleinheit, sondern in einer gewaltigen Größe: Mit einem Bein stand er auf der Bergkuppe des Sundern, mit dem anderen Bein auf der Spitze des Hembergs. Seine riesigen Schwanzfedern reichten bis Elhausen - so groß war er!
Das Gebiet um den Sundern gehörte ihm. Dort übte er die Polizeigewalt aus. Wehe dem Wilddieb, dem Sonntagsjäger oder dem Holz Frevler! Er­wischte er sie auf frischer Tat, so stürzte er sie mit einem einzigen Schlag seiner gewaltigen Flügel den steilen Abhang des Sundern hinun­ter»
Wenn der übermächtige Hahn mit breitgespreixten Beinen über dein Dorfs Ohle stand, so schaute er auch oft in die Häuser hinein, um dort nach dem Rechten zu sehen. Nicht selten kam es vor, dass er dann fröhliche Zecher aus dem Wirtshaus trieb. Darüber freuten sich dann deren Ehefrauen. Auch Kinder, die nicht artig waren, ihre Schulaufgaben nicht machen wollten oder auf der Straße die Erwachsenen nicht grüßte, strafte er. Er trug sie auf die Burg und ließ sie dort stundenlang nachsitzen.
So sorgte der Brunnenhahn für Recht und Ordnung.


1) Dieser Vergleich ist der Sage "Die Eroberung der Hünenburg"/0hle v. A. Daniel, entnommen -'Sagen und Geschichten von der mittleren Lenne, Gefundenes und Gesuchtes, Schwerte
2) Verlag Carl Braus
•Textfassung: M. Zimmer, Plettenberg/ Abschrift April 1996